„Courage zeigen!“

 

Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht
vom 9. November 1938

 

 Mit folgendem Beitrag möchte ich euch von der Gedenkveranstaltung der Stadt Koblenz zur Pogromnacht am 10. November 2021 in Koblenz berichten. Den Bericht ergänze ich mit meinen eigenen Gedanken zu dem Thema, weil es mich sehr bewegt und betroffen gemacht hat. 

 

Ein kalter, nebliger Novembermorgen in Koblenz. Von einigen Koblenzer Schulen haben sich bereits Lehrer und Schüler vor dem Alten Kaufhaus am Florinsmarkt versammelt. Für unsere Schule waren Frau Rittscher und ich bei dieser Gedenkveranstaltung der Schulen der Stadt dabei. Leider war die Teilnehmerzahl in diesem Jahr pandemiebedingt begrenzt, so dass die anderen Schüler der AG „Demokratie leben“ nicht teilnehmen konnten.

 

Gemeinsam betraten wir nun den wunderschönen Gewölbekeller des alten Kaufhauses. Zunächst hielt die Kulturdezernentin der Stadt Koblenz Frau Dr. Theis-Scholz eine Rede, in der die verschiedenen Schulen und ihre Vertreter begrüßt wurden. Im Anschluss daran hörten wir eine weitere Rede zur Pogromnacht. Was ist die Pogromnacht? Was ist in der Nacht passiert? Wann war das? Wen hat es betroffen?

 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten jüdische Geschäfte, Synagogen, Häuser von Juden und deren Wohnungen hier in Koblenz in Brand. Fenster, Schaufenster wurden eingeschlagen, gingen zu Bruch. Viele Gebäude brannten nieder.

 

          Ich frage mich, was die Feuerwehr in der Nacht tat? Sie war doch da!?!

Ja, sie war da, aber sie durfte erst dann Feuer löschen, wenn das Feuer drohte, auf andere Häuser überzugreifen. Ich finde so etwas mehr als schrecklich! Auch heute noch, mehr als 80 Jahren danach bin ich darüber erschüttert. In der Pogromnacht war das für jeden sichtbar, was Hitler schon lange geplant hatte: Die Diskriminierung von Juden, ihre Ausgrenzung aus der Gesellschaft, eine allmähliche Entrechtung, was schließlich zur Ermordung von über 6 Millionen Juden führte.

 

Nach der Rede von Frau Dr. Theis-Scholz traten Schüler unterschiedlicher Koblenzer Schulen nach vorne. Nacheinander lasen sie beeindruckende Texte vor. Jüdische Menschen aus Koblenz erzählten darin, wie sie diese Nacht erlebt haben. Es wurden auch Briefe von Christen vorgelesen. Sie berichten in ihren Erinnerungen, wie sie am nächsten Morgen in Koblenz zur Arbeit gingen und die Überreste der vorherigen Nacht gesehen haben: Schutt, Asche, Trümmer und Scherben. Durch diese Berichte wurden uns beeindruckende, bewegende Minuten bereitet. Wir schauten dann einen Film zur Pflege von Stolpersteinen. Schüler erzählten darin über die Patenschaft, die ihre Schule für die Stolpersteine übernommen hat.

 

Besonders stolz bin ich natürlich über den Beitrag unserer Schule, aber ich möchte hier auch einen Beitrag eines Schülers der Carl-Benz Schule erwähnen. Er hat gesagt, dass er erst vor kurzem nach Deutschland kam und noch nie was von Stolpersteinen gehört hat. Er findet es sehr interessant und ist deshalb mal mitgekommen, um die Stolpersteine zu sehen und zu pflegen.

 

In einer abschließenden Ansprache berichtete Frau Dr. Theis-Scholz, dass jüdische Menschen aus Koblenz, die diese grausame Zeit überlebten, bekannte Künstler wurden. Manche Bilder von diesen ehemaligen Koblenzern werden derzeit an Bushaltestellen auf Werbeplakaten ausgestellt.

 

Ich achte da gerade drauf, wenn ich mit dem Bus unterwegs bin! Macht mal die Augen auf, habt ihr sie schon gesehen?

 

„COURAGE ZEIGEN!“ ist der Aufruf, den Frau Dr. Theis-Scholz an diesem Tag formulierte. Mit dem sie uns aus der Veranstaltung entließ. Ich finde, jeder von uns sollte diesem Aufruf folgen! Doch was bedeutet es?

 

Täglich erleben wir in der Öffentlichkeit Situationen, in denen wir Courage zeigen sollten. Wenn wir zum Beispiel mitbekommen, wie jemand einen andern aufgrund seiner Religion diskriminiert, sollten wir direkt eingreifen, auch wenn wir diese Person nicht kennen. Wir können einen Erwachsenen rufen oder andere zur Unterstützung holen. Alles Möglichkeiten Courage zu zeigen, wichtig ist sich selbst dabei nicht in Gefahr zu bringen. Es ist nicht so schwer, Courage zu zeigen. Bekommen wir in der Schule mit, dass jemand geärgert wird, können wir einen Lehrer um Hilfe bitten. Das kann jeder! Man hilft, die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.

 

Nach der Veranstaltung gingen Frau Rittscher und ich zu „unseren“ Stolpersteinen, zu den sieben Stolpersteinen in der Mainzer Straße und im Hüberlingsweg in der Nähe unserer Schule auf der Karthause, für die unsere Schule die Patenschaft übernommen hat. Wir polierten die Steine und legten eine Rose nieder. Außerdem zündeten wir Kerzen zum Gedenken an. Auf dem Weg tauschten wir unsere Gedanken aus: Betroffenheit, Nachdenken, Erinnern.

 

Text und Fotos: Svenja Henge, 10c, Frau Rittscher