Testen! Testen! Testen!

 

Erste Corona-Selbsttests an der Realschule Plus Auf der Karthause 

Besuch der Landtagsabgeordneten Dr. Köbberling

 

Ungewöhnlicher Schulstart im Klassenraum der 7 b früh am Morgen an der Realschule Plus Auf der Karthause: Bereit für die erste Selbsttestung, die nun bundesweit an allen Schulen verpflichtend für SchülerInnen und LehrerInnen gelten, sitzen alle Schüler der 7 b gespannt vor ihren Testpäckchen, bevor die Klassenleiterin grünes Licht gibt. Los geht’s…Mit dabei sind heute Morgen Schulleiter Herr Dobbertin und die Landtagsabgeordnete Dr. Anna Köbberling, die sich die erste Selbsttestung heute an unserer Schule anschauen. „Die Schüler machen das sehr diszipliniert und nehmen das Ganze ernst“, so der erste Eindruck von Frau Dr. Köbberling.

 

In den Tagen zuvor hat das gesamte Kollegium Päckchen gepackt, in denen die Schüler das Nötige finden: Teststreifen, Wattestäbchen, Testlösung und natürlich die praktische Wäscheklammer. „Wir Schulen stehen in der Pandemie vor vielen Herausforderungen, die wir stemmen müssen, wir werden auch diese Herausforderung schaffen. Denn wenn wir alle mitmachen, wie wir das auch in der Vergangenheit getan haben, wird auch das klappen“, meinte Schulleiter Dobbertin.

 

Inzwischen sind die Testungen an den Schulen per Gesetz beschlossen worden und es gilt an allen Schulen bundeseinheitlich, nur wer getestet ist, darf am Präsenzunterricht teilnehmen. Das Kollegium der Realschule Auf der Karthause unterstützt diese Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie nach Kräften, nahezu alle Schüler machen bei den Selbsttestungen mit - ein Zeichen für die Disziplin und Bereitschaft bei Schülern, Eltern und Lehrern aktiv mitzuwirken.

 

Frau Dr. Köbberling nahm sich im Anschluss in einem kleinen Interview Zeit für Fragen der Redakteure unserer Schülerzeitung „Click on!“

 

Interview der Schülerzeitung "Click on!" mit Frau Dr. Köbberling am 20.04.2021

 

 „Click on!“: Seit einem Jahr beherrscht das Thema Corona unsere Schule. Wir als Schüler haben gelernt, wie  wir uns darauf einstellen müssen und damit richtig und angemessen umgehen. Viele Maßnahmen setzen wir um, AHA-Regeln, Masken, Einbahnstraßen auf den Fluren, das sind nur wenige Stichpunkte, die für uns schon selbstverständlich geworden sind. Der Grund, warum Sie heute bei uns sind, sind die Selbsttests, die seit heute an unserer Schule in den einzelnen Klassen stattfinden. Wie denken Sie darüber? Halten Sie es für eine gute Sache?

 Frau Dr. Köbberling: Die Selbsttests und überhaupt die Testungen an den Schulen sind unbedingt nötig für uns alle, da wir derzeit noch keine anderen Möglichkeiten haben. Ich finde es richtig, so machen wir die Schule zu einem relativ sicheren Ort, bis alle Lehrer und Schüler geimpft sind.

 

„Click on!“: Wie war Ihr Eindruck, von dem, was Sie vorhin in einer 7. Klasse gesehen haben? Die Schüler haben ja zum ersten Mal sich selbst getestet.

Frau Dr. Köbberling: Die 7 b hat das wirklich prima gemacht. Alles war gut vorbereitet. Die Schüler haben die Testung gut mitgetragen und waren sehr diszipliniert.

 

„Click on!“: Jeder Schüler guckt ja hin, was da geschieht. Glauben Sie bei einer positiven Testung wird das im Klassenverband schwierig, den einzelnen Schüler in seiner Persönlichkeit zu schützen?

 Frau Dr. Köbberling: Darin sehe ich kein großes Problem. Der Einzelne kann ja nichts dafür. Es könnte wirklich jedem passieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr jemanden dafür ausgrenzen würdet. Es ist auf jeden Fall besser, als wenn ein Fall unbemerkt bleiben würde.

 

„Click on!“: Es gibt auch Stimmen hier bei uns an der Schule unter den Eltern und auch unter den Schülern, die das Ganze kritisch sehen. Einige Schüler und Eltern haben nicht ihr Einverständnis zu den Selbsttestungen gegeben. Was würden Sie diesen Schülern oder Eltern sagen?

 Frau Dr. Köbberling: Da sehe ich nur eine Lösung: Überzeugen. Aufklärungsarbeit mit den Eltern und Information sind hier entscheidend gefragt. Das ist meines Erachtens sinnvoll und sollte helfen, möglichst alle Eltern zu überzeugen. Es kann schlimme Folgen haben, wenn ein Schüler unbemerkt positiv wäre.

 

„Click on!“: Heute Morgen sind die Schulen in Mainz angesichts der steigenden Zahlen geschlossen. Wir hier in Koblenz halten die Schule noch offen, arbeiten mit Selbsttests. Wie denken Sie darüber, Schule auf lassen, auf jeden Fall?

 Frau Dr. Köbberling: In Mainz haben wir andere Fallzahlen als in Koblenz, was nicht vergleichbar ist. Die Schulen sollen allerdings solange es vertretbar ist, offen bleiben. Der Schüler muss sich ja nicht zwingend in der Schule anstecken. Wir haben super wenige Infektionen IN den Schulen.

 

„Click on!“: Die Johanniter als medizinisches Fachpersonal führen zweimal die Woche bei uns Testungen durch, in voller Schutzkleidung von oben bis unten, mit  Visieren, Handschuhen. Wir mit unseren Lehrern haben das nicht. Wir alle nehmen ja auch die Masken ab.

 Frau Dr. Köbberling: Die Maske wird ja nur für einen kurzen Moment abgenommen, das ist vertretbar, eine Schutzkleidung ist hier nicht erforderlich. Ich halte vielmehr eine getrennte Organisation, wie sie hier an eurer Schule angeboten wird, nämlich die Kombination aus einem Fremdtest, durchgeführt durch die Johanniter vor Ort, und einem Selbsttest, für eine gute Lösung. Das ist ein sehr guter Kompromiss.

 

„Click on!“: Halten Sie unsere Schule für ausreichend geschützt, für einen sicheren Ort?

 Frau Dr. Köbberling: Ich denke, auch eure Schule ist gut organisiert und gut aufgestellt.

 

„Click on!“: Was kann man tun, um unsere Schule zu einem solchen zu machen? Schulschließungen? Gesetze?

 Frau Dr. Köbberling: Hier ist eindeutig die Selbstdisziplin gefragt. Wenn sich alle an die Verhaltensregeln, die Absprachen und die Gesetze halten, Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen, dann werden wir diese Krise auch gut schaffen.

 

„Click on!“: Gibt es noch andere Möglichkeiten? Luftreiniger, wie sie in manchen Supermärkten angebracht werden?

 Frau Dr. Köbberling: ich bin keine Physikerin, aber nach allem, was ich weiß, sollen Luftreiniger nicht sehr erfolgversprechend sein. Sie können vielmehr auch eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Das regelmäßige Lüften eines Klassenraums sollte hier weiter an erster Stelle stehen.

 

„Click on!“: Mehr Schulbusse, in denen wir ja jeden Morgen dicht an dicht stehen müssen?

 Frau Dr. Köbberling: Das ist wirklich ein Problem, das ihr hier ansprecht, ein großes Problem. Eine Lösung gibt es leider noch nicht dazu. Das Land hat schon viel Geld in den Schülertransport gesteckt, obwohl es gar nicht seine Aufgabe ist. Es fehlen Fahrer und auch Busse. Am sichersten ist es zu Fuß zur Schule zu kommen oder mit dem Roller, dem Fahrrad, wem dies möglich ist….

 

„Click on!“: Stichwort Digitalisierung. Wir alle an der Schule hier haben viel gelernt in diesem Schuljahr, was digitale Kompetenzen angeht. Moodle, messenger, Big blue Button, das sind für alle Schüler hier an unserer Schule bekannte Dinge, die es vorher so nicht in der Breite gegeben hat. Wir als Schüler fordern schon lange stabiles Wlan an der Schule, funktionierende Boards, feste IT-Mitarbeiter an jeder Schule, die die Lehrer unterstützen. Gibt es dazu Pläne und Überlegungen? Werden Sie sich dafür einsetzen?

 Frau Dr. Köbberling: Ja, definitiv! Wir haben den Digitalpakt für die Schulen auf den Weg gebracht und auch an eurer Schule seht ihr ja schon die ersten Ergebnisse, dass er auch hier angekommen ist, es gibt ein stabiles W-Lan, es gibt die Administratoren, die IT-Mitarbeiter, ihr seht, viele Punkte des Digitalpaktes sind bereits umgesetzt, einige stehen noch aus, die aber in Arbeit sind.

 „Click on!“:  Vielen Dank für Ihre Zeit und das angenehme Gespräch.

 

Wenige Tage nach unserem Interview stiegen die Zahlen in Koblenz an und die „Notbremse“ musste gezogen werden. Alle KiTas und Schulen in Koblenz wurden am 23.04.21 komplett geschlossen, man wechselte vom Wechselunterricht zum Fernunterricht. Dass wir Schulen das so schnell leisten können, zeigt unsere Erfahrung aus dem vergangenen Jahr. Jeder Schüler und jeder Lehrer wusste, was nun zu tun ist. Dennoch, nach nur vier Tagen Schulschließung, die viel Verwirrung innerhalb der Schulen, bei den Eltern und Schülern auslösten, wurden die Schulen wieder geöffnet. Flexibilität ist angesagt, denn dieses Szenario „on-off“ wird sich sicher in nächster Zeit an vielen Schulen wiederholen.

 

                                                               Die Redaktion der Schülerzeitung „Click on!“ / Karoline Herz