Nachdenken über Corona
und die etwas andere Abschlussfeier 2020
Abschiedsworte eines 10.-Klässlers der Realschule Plus Auf der Karthause


Angefangen hat es mit einer Handvoll infizierter Menschen in der chinesischen Stadt Wuhan. Als ich zum ersten Mal von diesem Virus hörte, verlief das gesellschaftliche Leben in unserem schönen Kowelenz und in unserer Schule auf der Karthause bis auf weiteres völlig normal. Gut, dachte ich mir, es wird sich bei Covid-19 sicherlich um eine ähnliche Sache handeln wie wir sie schon bei Ebola erlebt haben. Es werden sich viele Menschen infizieren, doch Deutschland wird sicherlich verschont bleiben. Falsch gedacht.
Nachdem wir von unserem Klassenlehrer am 13. März in der letzten Stunde erfuhren, dass alle Schulen im Land dicht gemacht werden, hatte ich dann doch ein mulmiges Gefühl. Es wird also doch ernst. Ab diesem Moment stand für mich bereits fest: Einen normalen Schulalltag werde ich in den letzten Monaten meiner Zeit als Schüler einer 10. Klasse der Realschule Plus auf der Karthause nicht mehr erleben. Wie sich dann bei der Schulöffnung am 04.Mai herausstellte, war dem auch so.
Die Klassen wurden geteilt, die Gänge durften nur noch mit Mund- und Nasenschutz und unter strenger Aufsicht von unseren Lehrern betreten werden und der tägliche Kaffeeklatsch mit meinen Klassenkameraden auf dem Schulhof, sofern ich sie überhaupt gesehen habe, fiel auch flach. Wahrscheinlich stehe ich nicht alleine da, wenn ich behaupte, die Maßnahmen gegen das Virus sind zermürbender als die ständige Gefahr sich mit diesem tödlichen Virus zu infizieren. Doch so nervig diese Maßnahmen auch sind, sie sind wichtig, um uns, unsere Familien und Freunde und unser Gesundheitssystem zu schützen.
Meine Klasse im Verbund konnte ich in den letzten 3 Monaten nur dreimal sehen und es schmerzt sehr, ohne eine Abschlussfeier, wie wir sie kennen und wertschätzen, von der Schule zu gehen, ohne allen Mitschülern wie auch Lehrern „Tschüss“ zu sagen.
Dennoch will ich an der Stelle „Danke“ sagen:
Danke an Herrn Dobbertin, unseren Schulleiter, der es dann doch möglich gemacht hat, eine schöne Abschlussfeier im kleinen Klassenrahmen mit viel Abstand zu gestalten, die sehr, sehr gelungen war.
Danke, ihr Lehrer und Lehrerinnen, dafür, dass Sie das Beste aus den letzten Monaten gemacht haben und die Schüler stets unterstützt habt, egal, wo der Schuh drückte.

Danke, dass wir eine kleine, aber feine Abschlussfeier zelebrieren konnten und uns so ein würdiger Abschied von dieser Schule möglich wurde.
Nun heißt es für mich Abschied nehmen. Dies sind die letzten Zeilen, die ich als Redakteur der Schülerzeitung „Click on!“ schreibe. Zwei Jahre ist es jetzt her, als ich auf diese Schule gewechselt habe und anfangs war ich sehr demotiviert und zweifelte, ob das der richtige Weg für mich ist. Nachdem mich meine  Klassenkameraden eines Besseren belehrt haben, hasste ich mich dafür, jemals so gedacht zu haben. Nach 12 Jahren Schule fühlte ich mich zum ersten Mal in einer solchen Einrichtung wie zu Hause. Und ich entdeckte eine für mich vollkommen neue Spezies: Lehrer mit Humor, Lehrer, die auf die Schüler eingehen, Lehrer, denen die Schüler wichtig sind.
Zu guter Letzt wünsche ich allen Lehrer*innen und Schüler*innen (und gesondert meinem fabelhaften Klassenlehrer Herrn Sieger) noch viel Glück, Spaß, Erfolg und ein weiterhin gutes Durchkommen in diesen schweren Tagen.
Au revoir!
Julian Vogel, ehm. Schüler der Klasse 10 d